Siglingen an der Jagst ist wohl in der alemannisch-fränkischen Gründungsphase entstanden. Ein recht seltener Keramikfund aus dem 3. Jahrhundert n. Chr. lässt schon eine damalige Besiedelung vermuten.
Eine erste schriftliche Urkunde aus der Zeit zwischen 779 und 802 n. Chr. gab Anlass, im Jahr 2002, vom 06. -08.07., ein Heimatfest mit großem Festzug - 1200 Jahre Siglingen - abzuhalten. Hierzu wurde ein Begleitbuch herausgegeben: Heinz Tuffentsammer, Siglingen - einst und heute (siehe Bild links, Anm. d. Red.). Es ist erhältlich bei der hiesigen Volksbank.
Wohl im 11. Jahrhundert wurden von den Grafen von Salm Dienstmannen eingesetzt, die sich von Siglingen nannten. Ihre Behausung dürfte eine einfache Turmburg mit Wassergraben, dem sich ein Wirtschaftshof anschloss, gewesen sein. Sie müssen den Stammort aber sehr früh verlassen haben. Bis ins 14. Jahrhundert war das Adelsgeschlecht in Kochersteinsfeld sesshaft. Spätere Spuren hinterließen sie in Unterfranken, Schorndorf, und im Raum Sinsheim als Amtleute, Keller und Pfarrer. Eine Linie war zwischen 1513 und 1570 In Königsbach-Stein (im Enzkreis), wo sie durch 3 markgräflich, badische Amtsmänner und schließlich in der Person des Obersten Hans Sebold von Siglingen ihre höchste Blüte erlangte. Das dortige, sogenannte Siglingen´sche Haus, die Grabplatte und ein 3,35 m hohes Steinpitaph des Ritters Hans Sebold erinnern noch heute daran. Ein letzter Zweig ist in Straßburg bzw. im Elsaß nachgewiesen, wo sich ihre Spur nach 1606 verliert.
Ab 1308 ist Siglingen als Ort, im Herrschaftsbereich der Grafen von Weinsberg, regelmäßig in Urkunden belegt. 1363 beurkundete Kaiser Karl IV. dem Engelhard v. Weinsberg, daß er aus seinem Dorf Sygenyngen eine Stadt mit Wochenmarkt machen dürfe. Durch den baldigen Niedergang der Weinsberger wurde die Stadtwerdung nach ersten Anfängen jedoch nicht realisiert. So kam es lediglich zu einer Teilbefestigung des bebauten Ortsetters mit Toren und einem 8 Meter breitem Graben um den Ort, sowie einem mit Gaden besetzten ummauerten Friedhof in dessen Mitte die Dorfkirche steht. Zwei Jahrmärkte wurden (daher früher: Marktflecken) bis vor dem 2. Weltkrieg regelmäßig abgehalten.
Während des 30-jährigen Kriegs wurde 1636 fast das ganze Dorf samt Kirche und Pfarrhaus ein Raub der Flammen. Von vormals etwa 500 Seelen lebten 1647 nur noch 72 Menschen im Dorf. Der Wiederaufbau des - noch heutigen - Gotteshauses erfolgte im Jahre 1650. Die historische Orgel stammt aus dem Ende des 17. - Anfang 18. Jahrhundert. Es dauerte bis um 1800 bis die menschlichen und materiellen Verluste in etwa ausgeglichen waren.
Nach jahrhundertelanger Zugehörigkeit zum Amt Möckmühl erfolgten ab 1806 Verwaltungsreformen die von Kaiser Napoleon ausgelöst wurde. Siglingen, das schon seit der Reformation, mit den höhergelegenen Orten Kreßbach und Reichertshausen eine Kirchengemeinde bildete, wurde nun auch politisch zusammen geführt.
So entstand ab 1818 die Gesamtgemeinde, mit Siglingen als Amtsort, innerhalb des damals neu gegründeten Oberamts Neckarsulm (bis 1938).
Mit dem Bau des Tekton-Werks 1919-21 entwickelte sich im vormaligen Bauern- und Handwerkerdorf auch eine breite Arbeiterschaft. Bis zu 300 Beschäftigte (auch aus der näheren Umgebung) fanden hier in den 1930er Jahren einen sicheren Arbeitsplatz. Ebenfalls in den 1920er Jahren erfolgte der Bau des Wasserwerks und eines Zement- und Kalkwerks. Letzteres wurde aber 1937 wieder stillgelegt, aber ein Steinbruch an der Neudenauer Straße - als kräftiger Einschnitt in die Landschaft - erinnert noch daran.
Das heutige Siglingen mit seinen Teilorten hat seine frühere Selbstständigkeit verloren und ist - im Zuge der Verwaltungsreform - seit 1975 ein Stadtteil der historischen Stadt Neudenau, zu welcher viele Jahrhunderte lang eine territoriale Grenze bestanden hatte. Aus dem Bauerndorf ist weitestgehend ein Wohndorf geworden, das neuerdings eine größere Anzahl an Bauplätzen anbietet.
Heinz Tuffentsammer, April 2005
Quellangaben:
Text: Für in-siglingen.de, von H.Tuffentsammer
Bild 1: Buch Siglingen - einst und heute, von H. Tuffentsammer
Bild 2: Buch Siglingen - einst und heute, von H. Tuffentsammer